Im Interview mit startwerk.ch

Die Zürcher Vermittlungsplattform Dodiz vereint Wissen und bietet Lehrenden uns Lernenden eine Anlaufstelle für die Lust an mehr Wissen. Dodiz-Gründer und Ex-Werber Remo Brunner hat sich in 9 Fragen über die Herausforderung in seinem Startup auseinander gesetzt und erklärt, warum man über Mittag an einer Brownbag Sessions (Lunch und dazu einen Kurs) teilnehmen sollte.

von David Torcasso

Hat Dodiz das Potenzial, herkömmliche Lerninstitute abzulösen. So wie Airbnb immer mehr Hotelübernachtungen ablöst…?

Dodiz.com vermittelt Wissen, Können und Inspiration.Die Faszination eines Themas – beispielsweise Klettern – kann von Privaten an Private weitergegeben werden. Lehrende und Lernende sollen sich auf dieser Plattform finden. Im Falle von Klettern könnte man Knöpfe lernen, Tipps und Tricks für die Ausrüstung geben, von Touren erzählen oder die Organisation einer Himalaya-Besteigung aufzeigen. Lerninstitute als Institutionen verlieren meiner Meinung nach  an Bedeutung. Heute geht es um den Dozenten und sein Wissen, nicht um die Institution. Auf dodiz.com kann sich die Lehrperson profilieren. Wo will man heute 1:1 etwas über Politik ausserhalb der Universität erfahren? Irgendwo gibt es aber einen Politkcrack, der sein Wissen weitergeben kann. Dort knüpft Dodiz an – jeder Mensch kann lehren oder lernen!

Jeder kann also bei Dodiz Lehrer werden. Wie kontrollierst du die Qualität der Kurse?

Die Qualitätssicherung findet durch die User statt – er kann  die Lehrpersonen nach jedem Kurs bewerten und Noten verteilen. Aber ich vertraue auch auf die Skills der Leute. Jeder Mensch hat eine Passion, eine Leidenschaft, ein Gebiet, wo er sich besser als andere auskennt. Den Preis für diese Wissensvermittlung kann der Anbieter selbst bestimmen. Die rund 60 Angebote, die jetzt online sind, bewegen sich zwischen 5 und 240 Franken pro Lektion. Der Lehrende kann auch selbst entscheiden, ob sein Kurs eine Stunde, drei Tage oder drei Monate dauert. Wir verdienen zehn Prozent von dem Geld, das für die Kurse bezahlt wird.

Dann fördert deine Plattform auch neues Wissen, das man sonst nirgends lernen kann?

Genau. Wir haben Kurse von einem praxisnahen Englischlehrer, einem Tantra-Meister, Lehre über Quantenheilung, Schnell-Lesen, Babysprache sowie Wein- und Flirtspezialisten. Ich masse mir nicht an, den Inhalt oder Theorien von Kursen zu beeinflussen oder auszuschliessen. Aber es wird natürlich keinen Kurs über den Bau von Molotowcocktails geben. Wichtig ist auch zu wissen, dass keine Dienste erbrachte werden. Wenn jemand einen Rasenmäher-Kurs organisiert, heisst es nicht, dass er dir den Rasen mäht. Sondern er zeigt und lehrt dir, wie es funktioniert.

Wie baust du bei deiner Community das Vertrauen auf die Lehrpersonen auf?

Die grösste Herausforderung bei diesem Projekt ist, dass sich die Lehrperson öffentlich evaluieren lässt. Bei Hotels und Bars funktioniert das über tripadvisor.com schon längst. Im Bereich Wissensvermittlung ist das aber neu. Dieses Umdenken muss in der Gesellschaft zuerst noch stattfinden. Das sind vor allem die Lehrenden gefordert. Lernende, also neugierige Menschen, gibt es hingegen viele. Ich veröffentliche alle Kommentare über die Lehrperson, ausser sie sind beleidigend oder unwahr. Das sichert die Qualität und zeigt die Qualifikation der Lehrperson auf.

Wie möchtest du Dodiz in der breiten Öffentlichkeit bekannt machen?

Ich organisiere mit den besten Teachers  so genannte “Brownbag-Sessions” über Mittag. Dort kriegt man einen leckeren Lunch und kann nebenbei etwas lernen – für zusammen 45 Franken. Der Mehrwert ist natürlich viel höher als bei einem normalen Mittagessen. Sehr erfolgreich war beispielsweise der Weinkurs mit Alberto Russo. Wir werden nun auch Soirées organisieren wie etwa einen Rap-Kurs mit Gimma. Solche Kurse machen jedoch auch andere – mir geht es in erster Linie darum,  Werbung für meine Plattform zu machen.

Hast du auch Investoren – beispielsweise Bildungsinstitutionen?

Genau das möchte ich eigentlich nicht. Heute baut die Lehrperson das Image auf, nicht die Schule oder die Universität. Es wollen Lerninstitute- und Institutionen auf dodiz.com Kurse anbieten. Das lehne ich ab. Ich möchte zuerst beweisen, das unser Dienstleistung hundertprozentig funktioniert. Erst dann versuche ich Investoren an Land zu ziehen.

Schaltest du  neben den Einnahmen aus der Vermittlung  auch Werbung?

Themenfremde Werbung möchte ich nicht. Dodiz.com funktioniert durch Glaubwürdigkeit und Transparenz. Ich bin aber offen für Patronate oder Sponsorings von Kursen. Ich glaube daran, dass Unternehmen oder Firmen ein berechtigtes Interesse daran haben, solche Kurse zu unterstützen, weil es für ihre Produkte oder Dienstleistungen ein Vorwissen braucht. Vielleicht kann ein Getränkelieferant einen Weinkurs als Patronat führen und am Schluss noch Flyer abgeben. Aber die Lehrperson kommt natürlich nicht vom Getränkelieferant. Oder Leute, die online Aktienhandel betreiben möchten, brauchen auch einen Kurs dafür.

Welches Unternehmen sollen wir hier als nächstes vorstellen?

Richard Jann und sein Projekt www.everyglobe.com