Der Tages Anzeiger über dodiz.com

In der Ausgabe vom 12. Sept. berichtet der Tages Anzeiger über dodiz.com.

Hat er Zapfen?

Um Weinkenner zu werden, kann man jahrelang studieren oder einen einstündigen Basiskurs belegen. Die neue Zürcher Lehr- und Lernplattform Dodiz.com will sich auf solche Angebote spezialisieren.

Von Marcel Reuss

Eher klein, längere Haare, nach hinten gekämmt. So hatte sich Remo Brunner beschrieben, und so steht er in der Sihlcity – vor einem Tischchen, um darauf seine Idee auszubreiten. Ein Jahr hat sie  ihn umgetrieben. Nun ist sie Realität. Virtuelle Realität, die daran ist, ihren Fuss in die wirkliche Welt zu setzen: Dodiz.com – eine Plattform, auf der Leute, die etwas wissen, Leute finden, die sich dafür interessieren. Mit Kursen, die das gewohnte Setting – ein Semester, jeden Donnerstag – unterlaufen können, aber nicht müssen.

In Ihrer Pressemitteilung schreiben Sie: «Diplome werden überbewertet.» Ist das nicht ein etwas grosser Satz, wenn man dann einen Kurs mit dem Titel «Hat der Wein Zapfen?» anbietet? Gerade der Weinkurs ist doch ein gutes Beispiel. Um für sich im Restaurant einen guten Wein auszuwählen, muss man nicht Sommelier werden. Ein einstündiger Kurs genügt, um immerhin einige Basics zu lernen.

Mit dem Wort «Diplom» verweisen Sie auf die Bildungslandschaft. Wo sehen Sie Ihre Plattform darin? Überall dort, wo es Diplome eben nicht braucht. Wer sich für ein Thema interessiert, der kann sich im Internet orientieren. Oder er lässt sich von einem Fachmann einführen, inspirieren und merkt rasch, ob er das Thema vertiefen will.

Alberto Russo wäre so ein Fachmann. Der Zürcher Sommelier entlarvt für 25 Franken die «grössten Weinmythen» und gibt wohl auch die Antwort auf die «Zapfen-Frage». Ein anderer ist der Bündner Rapper Gimma. «In 60 Minuten Rapper» heisst sein Angebot.

Liegt die Werbelatte da nicht etwas gar hoch? (lacht) Ich kenne Gimma von einem Projekt. Als ich ihn anfragte, hat er gleich zugesagt, und wir haben uns im Fédéral im HB getroffen. Er nahm die Menükarten und bastelte aus den Wörtern in wenigen Minuten einige tolle Rhymes.

Reicht das schon zum Rapper? Natürlich nicht. Rappen hat ja auch mit Inhalt zu tun, und der ist ein persönliche Sache. Eine gewisse Reimtechnik aber, die kriegt man hin.

Wein, Rappen, Körpersprache, Pokerstrategien und Stress in der Beziehung – das sind einige der Themen im ersten Kursangebot auf Dodiz.com. Der 33-jährige Brunner hat diese für die Lancierung selber organisiert. Sein Ziel aber ist ein anderes: dass jeder, der sein Wissen an Wissbegierige bringen will, seinen Kurs selbst ausschreiben kann. Die Registrierung dauert nur wenige Minuten. Dodiz.com übernimmt Buchungen, Verrechnungen und verlangt dafür 10 Prozent der Kursgebühren. Anbieter könnten auch eine Grossmutter sein, die strickt, so Brunner, oder ein Englischlehrer, der einen Sprachkurs ausschreibt.

Ein Sprachlehrer? Da wird die Sache spannend: Hat eine solche Plattform das Potenzial, den Anfang vom Ende der herkömmlichen Sprachschule einzuläuten? Aus Sicht des Lernenden habe die Website den Vorteil, dass er nicht die Institution, sondern die Person wähle; eine, die er aufgrund der Bewertungen seiner Vorgänger aussuche, sagt Brunner. Aus Sicht des Lehrers wiederum biete die Plattform die Möglichkeit, eine Selbstständigkeit aufzubauen. Doch so weit ist Dodiz.com noch nicht. Kurz nach dem Start stellt sich vielmehr die Frage: Wohin steuert die Plattform? Ein «Gemischtwarenladen» für spannende neue Inhalte schwebt Remo Brunner vor. Einer für jedermann, getragen von interessanten Persönlichkeiten. Was aber Erfolg habe, das entscheide letztlich die Community. Und diese aufzubauen, da ist er dran.

Tagesanzeiger
Der Weinkurs von Alberto Russo
Gimmas «Rapper in 60 Minuten»